Bäume sprechen zu unseren Sinnen. Und berühren darüber unsere Seelen. Wer den Stamm eines Baumes umarmt, spürt sich selbst an dessen harter Rinde. Weiß wieder, wie sich Rückgrat haben anfühlt. Ein Baum lässt sich nicht verbiegen, bleibt aufrecht, wenn wir uns gegen ihn drücken. Fest verwurzelt, wie wir es selbst gern wären. Er trägt seinen Stolz bis in die Krone. Kopf hoch – das ist das Zeichen, das er uns gibt. Ein aufbauendes Gefühl. Ein Gefühl, das gelassen macht und sicher. Ein Gefühl, das man forttragen kann in sich. Zumindest eine kleine Weile lang.

Die eigentliche Sprache des Baumes ist jedoch der Dialog mit dem Wind. Das Rauschen der Blätter in immer wieder anderen Stimmen. Sie scheinen ihre Launen zu haben wie wir: Manchmal hören wir ein verführerisches Säuseln, ein Singen, ein Grollen oder auch ein Machtwort. Jeder Jahreszeit verleihen Bäume ein eigenes Gesicht, tragen eine andere Botschaft. Während sie im Frühling mit sanften Grüntönen von der Hoffnung auf einen Neubeginn schwärmen, machen sie jetzt im Herbst mit leuchtenden, sich langsam verlierenden Farbspielen Mut zum Loslassen.

Wunderwesen Baum. Schon früher haben Menschen seine Kraft gespürt – jetzt ist sie bewiesen worden. Amerikanische Forscher fanden heraus: Wer in der Nähe von Bäumen wohnt, ist weniger aggressiv. Und: Krankenhauspatienten, die aus ihrem Zimmer auf Bäume blicken, brauchen weniger Schmerzmittel.

Auftanken unter einer Eiche, meditieren unter der Weide, träumen unter einer Linde. Stärke kann man einatmen, lehren uns die Bäume. Jetzt im Herbst machen sie wieder besonders auf sich aufmerksam.

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